Chronik

Als nach der Währungsreform 1948 die Menschen wieder begannen, Ziele mit Mut und Zuversicht anzugehen, trafen sich in Gildehaus einige reitbegeisterte Leute zum sonntäglichen Reiten. Sie hatten dabei soviel Spaß, dass sie beschlossen, ihr Hobby auch anderen zugänglich zu machen. 1949 gründeten sie den RUF Gildehaus; dessen Vorsitz Jan Aarnink übernahm.

Als sein Stellvertreter fungierte Heinrich Koonert (sen.).

 

Fenna Aarnink, Adolf Koonert, Eckhard Haase und Heinrich Niemeyer fanden in Hermann Licht ihren ersten Reitlehrer, der ihnen die Manier des Springens für heutige Verhältnisse recht abenteuerlich beibrachte. Fenna Aarnink und Adolf Koonert erinnerten sich in Gesprächen daran, wie sie auf dem Hof Lansmann in Achterberg (heute Heddendorp) über eine Steinmauer in die Weide und von dort zurück auf den gepflasterten Weg springen sollten. Dabei gab es in Gildehaus zu dem Zeitpunkt nur einige wenige Warmblutpferde bei Jan Aarnink auf Gut Herrenfehn, dem Vorsitzenden des neuen Vereins. Ansonsten wurden die Arbeitspferde geritten, die für das Überwinden von Hindernissen kaum geeignet waren.

 

Die Entwicklung nahm rasch ihren Lauf: Die Landwirte Buermeyer und Koonert (ebenfalls Mitbegründer des RUF) fuhren mir dem Pferdehändler Rickhoff (noch heute in Holt und Haar ansässig) nach Ostfriesland und brachten jeder einen Warmbluthengst mit. Abgesehen davon, dass das Reiten der Hengste nicht ganz einfach war, wurde das Springen ebenfalls zur Herausforderung. Die „Ostfriesen“ kannten die Wassergräben, die sie nun überspringen sollten, als Weidebegrenzung und verweigerten die Sprünge. Aber die Aktiven des neuen Vereins gaben nicht auf! Nach kurzer Zeit hatten sie eine wachsende Mitgleiderzahl zu verzeichnen, die in den Monaten, in denen draußen geritten werden konnte, eifrig trainierten.

 

Im Winter besserte eine Vielzahl der Gildehauser Reiter ihr Vereinskasse auf, indem sie plattdeutsche Theaterstücke aufführten. Der Erlös wanderte anfangs an den Stellmacher Keller in Achterberg, der dafür Hindernisse baute. Sie lösten weitgehend die einfachen Hindernisse aus Ästen, Stämmen usw. ab. Die Hindernisse mussten in den Anfängen oft hin- und hergefahren werden, da die Reitplätze häufig aufgrund der Bodenverhältnisse und der Entfernung wechselten . Kenner der Örtlichkeiten können sich im folgenden die Strecken vorstellen, die der Reiter/die Reiterin bewältigen musten, ehe das Training beginnen konnte.

Trainingsreitplätze des RUF nach der Erinnerung verschiedener alten Mitglieder

  1. Gut Herrenfehn
  2. Am Slat
  3. Beckmanns Weide in Achterberg (heute bei Ems)
  4. Kock, Springbiel
  5. Kuhlenkamp (heutige Straße Kuhlenkamp)
  6. Hof Sandfort (Waldseite)
  7. Hof Buermeyer (heute Gellenbeck an der Kreisringstraße)
  8. An der Westmühle (der sog. "Blutacker")
  9. Alter Sportplatz (heute Kindergarten Regenbogen)
  10. Kerkhoff, Hagelshoek (heutiger Reitplatz)

Die Geselligkeit und der Spaß am Reiten waren das absolute Hauptziel. Nach dem ersten Reitlehrer, Hermann Licht, der nur kurze Zeit das Training leitete, nahm Ludwig Rehme die „Zügel in die Hand“ und unterrichtete die Aktiven weiter. Unter Ludwig Rehme, der dem Verein unzählige Impulse gab, ging es stetig bergauf. Wie aus den übrigen sportlichen Engagements zu ersehen, arbeitete „Onkel Ludwig“ gern mit Jugendlichen und Erwachsenen.

 

Nach den ersten Jahren des Aufbaus und dem Messen des Reitkönnens bei Turnieren außerhalb veranstaltete der junge Verein Mitte der 50er Jahre das erste eigene Turnier nördlich der heutigen Schulstraße in Gildehaus. Die Gemeinde stellte den Platz dafür zur Verfügung. Das Pflügen und Schleppen des Bodens übernahmen die Mitglieder, meist Landwirte mit ihren Geräten.


Wie auch bei den Trainingsplätzen fand bis Mitte der 70er Jahre des große „Wandern“ statt. Je nachdem, welche Möglichkeiten die zur Verfügung gestelltenTurnierflächen boten, wurde das Turnier mit viel Arbeitseinsatz vorbereitet.


Der sportliche Ehrgeiz der Reiter stieg ebenso wie die Mitgliederzahl, sodass der Wunsch nach einer eigenen Reithalle immer größer wurde. Das Fahren nach Samern war nicht nur lästig, sondern ebenfalls sehr zeitaufwendig. Zumal die Gildehauser Reiter mir dem Training zu warten hatten, bis der letzte sameraner Reiter sein Training beendet hatte.

 

Bereits im Frühjahr 1974 (damals hatte der Verein 120 Mitglieder, davon 38 unter 15 Jahren) begannen erste Verhandlungen mit Verantwortlichen des Kreisbauamtes und dem Vorstand des RUF über den Standort einer Reithalle. Diese Standortfrage erwies sich als so schwierig, daß erst im Jahre 1976 – zwei Jahre nach der Gemeindereform, die Gildehaus zu einem Ortsteil Bad Bentheims machte – der heutige Platz festgelegt wurde. Erschwerend für den Bau kam hinzu, dass der 1974 gegründete RUF Bentheim ebenfalls eine Reithalle für seine Reiter wünschte, die Stadt Bad Bentheim die Zuschüsse jedoch nur einem Verein zukommen lassen wollte. Den Stadtvätern lag daran, beide Ortsteile schnell zusammenwachsen zu lassen. Nach dieser ersten Hürde, die ein „Doppeloxer“ war, galt es den „Steilsprung“ der Finanzierung zu nehmen. Durch Zuschüsse, großzügige Sponsoren und eine Vielzahl freiwilliger Helfer, die Geräte und Zeit investierten, wurde die Reithalle Ende 1978 fertiggestellt.

 

Die Kosten betrugen DM 231.000,00 ( € 118.108,42 ), wovon DM 43.000,00 ( € 21.985,55) Eigenleistungen waren. Am 21. Dezember 1979 fusionierte der RUF Gildehaus und der RUF Bentheim. Man einigte sich auf den heutigen Namen Reit- und Fahrverein

Gildehaus-Bentheim e.V.


Bereits am 03. November führten beide Vereine eine gemeinsame Fuchsjagd mit 75 teilnehmenden Pferden auf dem Gelände „Gut Langen“ des Freiherrn von Elverfeldt durch. An dieser Jagd nahmen ebenfalls zahlreiche niederländische Reiter teil, denn reiterliche Kontakte zum Nachbarland gab es seit längerem. Die Füchse hießen damals Natascha Kahle und Elke Haake.


Im Frühjahr 1986 trat der RUF Gildehaus-Bentheim wieder ins Licht der Öffentlichkeit. Die Reithalle, nun versehen mit Stallungen, sanitären Anlagen und dem zuletzt mir viel Fleiß erreichten Reiterstübchen, erhielt offiziell den Namen „Ludwig-Rehme-Reithalle“. Hiermit würdigte der Verein die Verdienste des inzwischen verstorbenen Reitlehrers Ludwig Rehme. Die Mitgliederzahl war zu diesem Zeitpunkt auf 262 Mitglieder angewachsen.

 

Nach dem Motto „Stillstand ist Rückstand“ wurden nun die angepachteten Flächen rund um die Reithalle in Angriff genommen. So entstand durch den großen Einsatz des damaligen 1. Vorsitzenden Gerd-Jan Nibbrig nacheinander der Turnierspringplatz, der Dressurplatz und ein Trainigsspringplatz. Auch jetzt zeigten viele Aktive und deren „Anhang“, wie man große Vorhaben verwirklicht. Unter der fachkundigen Leitung des 1. Vorsitzenden wurde der lehmige Untergrund des Turnierspringplatzes drainiert, neu eingesät und umzäunt. Der neu angepachtete Dressurplatz wurde ausgehoben, mit Sand aufgefüllt, eingefriedet und rundum mit Gras eingesät. Beide Plätze konnten 1990 während der großen Pferdeleistungsschau eingeweiht werden.

 

Als vorerst letztes Großvorhaben wurde der Trainigsspringplatz hergerichtet und eingezäunt. Auf ihm befindet sich ebenfalls ein Wasserloch für die Vielseitigkeitsreiter, die im RUF Gildehaus-Bentheim e.V. noch reichlich vorhanden sind.
Was nun noch bleibt, ist der Wunsch nach einem Richterturm und einer Abreitehalle. Dieser Wunsch wird aber leider so schnell nicht in die Realität umgesetzt werden können, da die Flächen durch den Verein nur angepachtet sind und zudem auch die finanziellen

Mittel dafür fehlen.

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